22391 Hamburg-Wellingsbüttel
Advanced Acupuncture
Was ist Klassische Akupunktur (Advanced Acupuncture) und was ist der Unterschied zur TCM Akupunktur die sonst in Deutschland praktiziert wird?
Advanced Acupuncture – auch Klassische Akupunktur genannt – bezeichnet die Anwendung aller Akupunkturkanäle und unterscheidet sich damit fundamental von der weit verbreiteten modernen TCM Akupunktur, die nur einen geringen Teil dieser Kanäle nutzt. Sie ist eine sehr alte, umfassende und hochentwickelte eigenständige Heilmethode: Akupunktur in ihrer ursprünglichen Form, die weltweit nur von wenigen Therapeuten beherrscht wird.
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Viele Menschen verbinden Akupunktur vor allem mit Schmerzbehandlung, der Therapie von Verletzungen sowie mit Entspannung und mehr Energie. Das ist richtig – doch Akupunktur kann weit mehr. Die Weltgesundheitsorganisation führt eine lange Liste von Erkrankungen, bei denen Akupunktur wirksam sein kann. Darüber hinaus ist sie in der Lage, auch schwere und scheinbar therapieresistente Erkrankungen zu behandeln. Zudem kann sie auf einer tiefgreifenden Ebene unterstützend wirken, indem sie Menschen hilft, wieder in Kontakt mit ihrem eigenen Lebensweg zu kommen, innere Unruhe zu beruhigen und Gefühle von Enttäuschung oder Desillusionierung zu lösen.
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Akupunktur entfaltet ihre volle Wirksamkeit erst dann, wenn alle 68 Kanäle einbezogen werden. So können chronisch-degenerative Erkrankungen positiv beeinflusst oder in ihrem Fortschreiten gebremst werden. Auf Wunsch kann Akupunktur auch als eine Art „innerer Kompass“ dienen.
Die ältesten bekannten Schriften zur Akupunktur stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Dieses Wissen wurde zunächst mündlich überliefert und von Generation zu Generation weitergegeben. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde es niedergeschrieben und unter dem Titel „Der innere Klassiker des Gelben Kaisers“ (Huang Di Nei Jing) bekannt. Dieses außergewöhnliche Werk beschreibt die vollständige Akupunkturlehre: alle 68 Kanäle, die theoretischen Grundlagen, die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten, Nadeltechniken, Pulsdiagnostik sowie Prinzipien einer gesunden Lebensführung.
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Über einen Zeitraum von rund 1.500 Jahren – vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis etwa zum 10. Jahrhundert n. Chr. – wurde Akupunktur in China in dieser umfassenden Form praktiziert. Sie stellte ein vollständiges therapeutisches Instrumentarium dar und konnte ein breites Spektrum an Erkrankungen behandeln.
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Während der Song-Dynastie im 11. und 12. Jahrhundert n. Chr. begann der Staat jedoch, die Chinesische Medizin zu standardisieren. Dabei wurde die Akupunktur stark vereinfacht. Gründe hierfür waren unter anderem politische Einflüsse zugunsten der Kräutermedizin sowie die Tatsache, dass der ursprüngliche Text des „Inneren Klassikers“ zu diesem Zeitpunkt bereits stark verändert und unvollständig war. Durch die fachfremden und konkurrierenden Kräuterärzte wurden ganze Gruppen von Kanälen – 46 der ursprünglich 68 – aus der klassischen offiziell anerkannten Akupunktur gestrichen. So wurden die wichtigen Sinew (Muskel-Sehnen) Kanäle verboten, weil es unter Kräuterärzten als gesellschaftlich unschicklich galt die Patienten teilweise zu entkleiden und beim Untersuchen anzufassen. Auch die für emotionale Beschwerden wichtigen Luo-Kanäle (entsprechen Venengeflechten/Besenreisern unter der Haut) wurden verboten, weil die therapeutischen Mikroaderlässe mit wenigen Tropfen Blut als Operation gewertet wurden und jegliche operativen Eingriffe untersagt waren. Auch die auf Gelenkkrankheiten wie Arthrose und Rheuma spezialisierten Divergent-Kanäle wurden verboten und mangels Alternativen durch einzelne Punkte auf den verbliebenen 14 Kanälen ersetzt. Gerade diese verbotenen und dann vergessenen Kanäle (Sinews, Luos, Divergents) wären jedoch für die Behandlung komplexer und schwerer Erkrankungen besonders wichtig gewesen. Klassische Akupunkteure, die sich den neuen Leitlinien nicht unterwerfen wollten und an den klassischen Kanälen festhielten, wurden verbannt. Deshalb wurde das Wissen um diese Kanäle seit dieser Zeit nur noch geheim und mündlich innerhalb weniger Familien weitergegeben. Das Buch „Advanced Acupuncture“ meiner Mentorin Ann-Cecil Sterman (Schülerin von Jeffrey Yuen, Daoist Master in 88. Generation) beschreibt und erklärt erstmals den Verlauf und die Anwendung dieser Kanäle.
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Nach dem Sturz der Qing-Dynastie 1911 und der Ausrufung der Republik musste die ohnehin schon deutlich geschrumpfte Klassische Akupunktur immer mehr dem westlichen und wissenschaftlichen Denken weichen. In der Anfangszeit von Mao Zedong war sie sogar verboten. Die meisten klassischen Arztfamilien wurden während der Kulturrevolution verfolgt und dezimiert.
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Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), wie sie heute in China und im Westen bekannt ist, basiert auf neueren historischen Publikationen der Kaiserlichen Schulen und der Ming Dynastie, wo das Hauptaugenmerk aber auf die Kräutermedizin gerichtet war. Einzelnen Akupunkturpunkten wurden Eigenschaften zugeschrieben, wie es vormals nur in der Kräuterheilkunde gemacht wurde. Mit der Kulturrevolution wurde das Wissen um die Energetik von Kanälen und Akupunkturpunkten zusätzlich stark gefiltert. Praktisch vollständig eliminiert wurden die feineren Aspekte der Emotionen, die Konstitution und die psycho-spirituelle Entwicklung einer Person. Übrig blieb eine vereinfachte TCM-Akupunktur ohne die zahlreichen spezialisierten Kanäle.
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Die alte Klassische Akupunktur aus der Han Dynastie behandelt nicht nur Symptome oder einzelne Krankheiten, sondern den Menschen als Ganzes. Sie identifiziert, wo der Energiefluss im gesamten Kanalsystem gestört ist, und stellt diesen wieder her, um Heilung zu ermöglichen – insbesondere dann, wenn Ernährung, Schlaf und Lebensstil begleitend angepasst werden.